Zielgerichtetes Dating: Sei Dein eigener Leuchtturm

Letztens fragte mich eine gute Freundin, für sie bei der App Blindmate nach Datingpartnern für sie zu swipen. Im Gegensatz zu anderen Datingapps, sind es nämlich bei Blindmate gute Freund*innen und Familienmitglieder, die für einen nach passenden Matches suchen. Obwohl ich natürlich schon eine Vorstellung davon hatte, was sich meine Freundin eigentlich für einen Partner wünscht, rief ich sie an und wir sprachen darüber. Klar war für sie, dass auch er einer Familiengründung offen gegenüberstehen und somit auf der Suche nach etwas Ernstem sein sollte. Klar war auch, dass er nicht so sein sollte wie ihre Ex-Partner.

Als Religionswissenschaftlerin weiss ich, dass es religiöse, spirituelle, oder religionsähnliche Gruppen in Sachen Identitätsbildung, Abgrenzung zu anderen, langfristigem Erfolg und Selbstlegitimation schwer haben, wenn sie sich weitestgehend über das definieren, was sie nicht sind (das ist zum Beispiel bei explizit atheistischen Gruppen der Fall, die sich vor allem darüber definieren, dass sie an keine höhere Macht glauben). Auch wenns komisch klingen mag, bear with me, was für Gruppen auf dem Religionsspektrum gilt, gilt auch fürs Dating. Das heisst, dass zielgerichtetes Daten nur dann funktionieren kann, wenn es auch ein ausformuliertes Ziel gibt.

Konkret bedeutet das, sich hinzusetzen und darüber nachzudenken, was eigentlich in einer Partnerperson gesucht wird. Je nachdem kann es auch hilfreich sein, eine Freund*in einzubeziehen. In jedem Fall ist es zielführend, sich Fragen zu stellen wie:

  • Warum suche ich überhaupt eine Partnerperson und wie möchte ich das Zusammensein in einer Beziehung gestalten?

  • Je nach Alter: Welche Dinge wünsche ich mir für mein Leben, die ich hoffe, im Rahmen dieser Beziehung nachgehen zu können? (z.B. Reisen, Kinder)

  • Was sind Charaktereigenschaften, die ich mir in meiner Partnerperson wünsche?

  • Was für biografische Marker sind mir bei meiner Partnerperson wichtig und warum eigentlich? (z.B. Lebensumstände, Bildungslevel)

  • Identifiziere Red Flags und Non-Negotiables, also Handlungsweisen oder sonst irgendwelche Umstände, die für dich unter keinen Umständen akzeptabel sind.

Das Ausformulieren der Gedanken unterstützt massgäblich dabei, beim Dating auf Kurs zu bleiben und sich nicht von irgendwelchen Irrlichtern unnötig vom Kurs abbringen zu lassen. Wichtig ist, dass diese Selbstreflexion als Leuchtturm dient und nicht als Aufzählung optischer Ausschlusskriterien. Schliesslich ist bei einer hohen Kompatibilität allerhöchstens nebensächlich, ob die Person schwarze oder blonde Haare hat. Wichtig ist auch, die Liste nicht ganz tief irgendwo im Schrank zu vergraben, sondern sich immer mal wieder mit dieser zu beschäftigen, um diese zu ergänzen, anzupassen und natürlich um sich selbst auf Kurs zu halten. Klarheit darüber, wer man selbst ist und was man sich in einer Beziehung wünscht, unterstützt dabei, nicht zielführende Verbindungen als solche zu erkennen – das Fundament dafür, sich daraus lösen zu können – und dabei sich nicht selbst zu sabotieren und sich Overthinking hinzugeben.

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