Once upon a time in Hollywood: Was unser Medienkonsum mit unserem Datingleben zu tun hat
Auch Grumpy Cat hält nichts von alltagsfernen und destruktiven Erwartungshaltungen im Datingleben
(Meme: https://imgflip.com/i/2501gb)
Egal ob Disney, schnulzige Liebesromane oder kitschige Liebesfilme: Immer geht es darum, wie und wann es passiert, dass er und sie sich finden. Gekrönt wird der Spannungsbogen mit einem inigen Kuss und optionaler Märchenhochzeit, es folgt das typische Narrativ à la “und sie lebten glücklich und zufrieden bis ans Ende ihrer Tage”; dann endet das mediale Erlebnis mit dem Abspann. Ja, super!
Diese Alles-oder-Nichts-Darstellung einer heteronormativen Beziehung hat Einzug in unsere Erwartungshaltung im Datingleben und das ist gar nicht mal so konstruktiv:
Es MUSS Zoom machen, sonst stimmt da was nicht
Wie fühlt sich Verlieben an – oder eher: Was sagt uns unsere kulturelle Prägung dazu, wie Verlieben sich anfühlen MUSS? In Lieblingsschnulzen lesen wir von bedeutungsschwangeren Konzepten wie Liebe auf den ersten Blick, Seelenverwandtschaft und dem Schicksal. Klar ist, wenn sich das Gefühl der Verliebtheit nicht ultra schnell und ultra intensiv einstellt, liegt irgendwo der Hase im Pfeffer. Weil so MUSS sich das doch schliesslich anfühlen, oder? Die kurze Antwort lautet Nein. Die längere Antwort fängt damit an, dass diese idealisierte Erwartungshaltung ganz schön viel Druck auf so einem selbst - warum fühle ich nicht so wie Schneewittchen? - und auch der anderen Person aufbaut - warum liegt die Person mir nicht die Welt zu Füssen, was stimmt denn nicht mit dem/der? Druck hilft in sozialen Beziehungen äusserst selten. Statt einem vermeindlich obligatorischem Gefühl nachzujagen, ist es konstruktiv, sich in der Kennenlernphase auf Kompatibilität zu fokussieren. Was will ich und passt das zu dem, was die andere Person möchte? Wenn sich bemerkbar macht, dass ziemlich viele Dinge ziemlich gut passen, beginnt das Gefühl der Zuneigung und der Verliebtheit von ganz alleine zu wachsen. Das fühlt sich dann natürlich nicht so an, wie bei Bella und Edward, aber dafür ist es ein Gefühl, dass aus Vertrauen und der Gewissheit, dass diese Person gut zu meinem passt gewachsen ist. Ausserdem kann (muss natürlich nicht) so ein Knall auf Fall Verlieben auf eine Red-Flag hinweisen und ein Indikator für toxisches Beziehungsverhalten sein (z. B. Love Bombing, siehe Was haben eine Trainingsbank, ein Satellit und ein Zombie gemeinsam? Don’ts im Dating).
Prinz und Prinzessin
Das typische, märchenhafte Paar ist hetero, weiss, ist able-bodied und entspricht einem absolut normativen Schönheitsideal. Das echte Leben ist viel zu bunt und vielseitig, als dass es sich lohnen würde sich von Hollywood vorschreiben zu lassen, wie etwas zu sein hat.
Was passiert nach dem Abspann?
Es ist natürlich sehr praktisch, gerade da mit der Storyline aufzuhören, an dem alles supidupi ist. Wer schon mal irgendeine Art von sozialer Beziehung, romantischer Natur oder nicht, hatte, weiss: So ist das nicht immer und die Realität sieht anders aus. In keiner Beziehung der Welt gibt es nur Hochs, in denen händchenhaltend über eine Blumenwiese gelaufen wird. Es gibt auch Situationen, die schwierig sind, doch das gehört eben zu jeder sozialen Beziehung dazu. Dazu kommt, dass das gemeinsame Durcharbeiten durch schwierige Phasen die Bindung und Liebe langfristig stärken kann – natürlich vorausgesetzt, dass es sich für beide gut und gesund anfühlt in dieser Beziehung zu sein. Aber wenn dem so ist, lohnt sich und auch diesen Phasen in einer Beziehung zu begegnen und gestärkt daraus hervorzugehen.